Alle im Schrank – die ganze Wahrheit

Als im November 1991 Denis Köberl mit allen bis dahin bekannten Anstandsregeln brach und zum Rhythmus seines wie wild dröhnenden Schädels begann, mit einem Kochlöffel und rücksichtsloser Brutalität den Boden des Schmitz`schen Mülleimers zu malträtieren, konnte keiner der Anwesenden ahnen, daß sie jenem selbigen am besten sofort entrissen und ihm damit eine ordentliche Tracht Prügel verpasst hätten.

Stattdessen findet sich eine Eitorfer Showband im nunmehr sechzehnten Jahr ihres Bestehens auf den internationalen Bühnen des Landes wieder, ohne auch nur einen Bruchteil dessen zu verdienen, was ihr eigentlich gebührt: Ein Sack Teer und ein Fass Federn !

Alle im Schrank bieten dem Durchschnittskonsumenten die gewöhnliche musikalische Hausmannskost aus aufgewärmten Deep-Purple-Riffs und Möchtegernharmoniegesängen sowie einen altersschwachen Frontmann, der unaufhörlich ins Mikro sabbelt. Ihre müde Liveshow strotzt vor hölzernem Perfektionismus und arrogantem Superstargehabe und erinnert stark an den Rhythmusgitarristen der Lords. Das Programm setzt sich aus lustlos daher-geprügelten Evergreens und den üblichen Lückenfüllern zusammen und ist auf jedem Dorffest wenigstens in Stereo zu hören.

Was sich die Band alles geleistet hat:

Seit ihrem ersten blamablen Auftritt bei der Geburtstagsfeier von Wolfgang Schmitz im Pfarrheim zu Eitorf haben sich Alle im Schrank immer wieder durch lächerliche Wichtigtuerei auf bisher über GANZ VIELE musikalischen, karnevalistischen, agitatorischen und privaten Veranstaltungen hervorgetan. Daneben verkaufte die Band mittlerweile GANZ VIELE selbstgefertigte Live-bänder allein durch Erpressung, Verleumdung und Falschaussagen.

Alle im Schrank verfügen über profunde Kenntnisse in der Beleidigung grosser Menschenmassen, die sich die Band z.B. im Vorprogramm der Krautpopgruppe Brings und der 77er Punker UK Subs, bei diversen Festivalen ( “Hörkraft Eitorf 1994”, “Svistkultur” Heimerzheim 1996, “B-Day” Bonn 1996, Kult Kölsch Karneval 2000 usw.) und als Headliner des Uni-Sommerfestes Koblenz 1996 teuer erkauft hat. Die besondere Spezialität der Showband Alle im Schrank ist jedoch die gezielte Provokation gesellschaftlicher Randgruppen. So gelang es Alle im Schrank, auf der Karnevalsfeier der Katholischen Jungen Gemeinde Köln 1993, schon nach dreizehn Minuten freundlich lächelnd von der Bühne gebeten zu werden und die Gage für einen ganzen Abend zu kassieren. Auch die Koblenzer Polizei nahm die immense Geräuschsentwicklung der Band zum Anlass, dem von 500 Verrückten umjubelten Auftritt von Alle im Schrank mit der Begründung, die zweite Strophe des Pippi-Langstrumpf-Liedes enthielte Textzeilen, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung untergrüben, vorzeitig zu beenden.

Auch in Bonn können Alle im Schrank mittlerweile sicher sein, daß ihre musikalischen Amokläufe genügend Gehör gefunden haben, um nur noch unter Pseudonym konzertieren zu dürfen. Auf das vielbeschimpfte Debut beim Rock-hoch-Bühne-frei-Abend in der Jazzgalerie 1995 folgten ausverkaufte Gastspiele im Bazooka (1996), Zarah L. (1997) und schließlich im Beueler Brückenforum und auf dem Münsterplatz.

Daneben pflegen Alle im Schrank hartnäckig den Brauch eines alljährlichen Weihnachts-konzertes im Eitorfer “Backes” und regelmäßig eine sommerliche Tour durch die Hennefer Richt-, Grill-, Einweihungs- und sonstige Feste anzutreten, die der Band zuletzt eine mit 120 Besuchern bis zum Platzen gefüllte “Hanfmühle” bei Uckerath beschert (1998).

Dort nur knapp der Teer- und Federung entronnen, nimmt Alle im Schrank mittlerweile, wen und was sie kriegen kann. So auch Thomas Schmechel, der 1997 Denis Köberl nach dessen entkräftetem Ausscheiden an der Schießbude ersetzte und seitdem Horden von Zuhörern das Fürchten und etliche Gitarristen das Schwitzen gelehrt hat.

Schlimmerweise müssen die bei den meisten dieser Ergüsse anwesenden Publikae im Nachhinein feststellen, dass satellitengesteuerte Microsoft-Feinde sämtliche Auftritte Alle im Schranks mitschneiden und anschliessend in China zu Spottpreisen auf die Strasse werfen: „live unt falsch“ (1994), „Lieder für Kinder“ (1995) und „Negative Sheep“ (1996) heissen die drei bis ins Jahr 2013 nicht mehr erhältlichen Altlasten, die auf handbemalten Schelackplatten unters Volk gebracht werden.

1999 ist das bisher grauenhafteste Jahr seit Bestehen von Alle im Schrank. Auf der Mitgliederversammlung vom 2.1.1999 erklärte die Band offiziell die Weltherrschaft zum vorrangigen Ziel. Es folgte eine endlose Serie von Studioterminen und schließlich nach mehren Wochen der Entscheidung, doch live aufzunehmen, die aktuelle Veröffentlichung von Alle im Schrank : “Lammkeule” . Ausserdem diese geschmacklose Netzseite. Krach. Gelächter. Peinliches Schweigen.

Und wie gehts weiter? Geblendet von der immensen Beredsamkeit ihrer Proteges wird Alle im Schrank weiterhin die Möglichkeit gegeben, sich in immer grösseren Rahmen öffentlich auszustellen – wie geschehen beim “Kult Kölsch Karneval” 2000 mit Guildo Horn und anderen schlechten Biervertilgerunterhaltern, getarnt als Rockband oder zusammen mit den Krückenpunkern von den UK Subs in der Koblenzer “Suppkultur”. Auch der Veröffentlichungswut der fünf Deppen scheint keine Grenze gesetzt: Nachdem mittlerweile eine grauenhafte neue Liveaufnahme unter dem Titel “Lüsterklemme” verscherbelt wird, verdichten sich die Gerüche, Alle im Schrank wolle im Sommer ein neues Studioscheibchen zusammenstückeln – “ein bunter Blumenstrauss selbst erdachter Melodien mit Wechselbassuntermalung”, wie S. Witz anlässlich der musikalischen Begleitung der “Ossietzky Groove Night” im Mai des Jahres verlauten liess. “Handwerk hat goldenen Hoden” heisst das brilliante Machwerk das allen Unkelrufen zum Trotz in Bonn-After aufgenommen wird.

Im Jahre 2001 schrecken Alle im Schrank auch vor der Behelligung argloser Senioren (personifiziert durch Werner Semmel Brodhuhn) nicht zurück. Mit Letzerem als Gastblechbläser ließen sich u.a. Auftritte im teppichbehangenen Hinterzimmer Bonner Lokalpolitik und vor dem erlesenen Jazzpublikum des samtbestuhlten Kölner Stadtgartens erschleichen (verewigt auf der grauenhaften Veröffentlichung „Wenn der Weihnachtsmann zweimal bimmelt“). Rein zufällig ereignen sich im darauffolgendem Jahr zeitgleich die Insolvenz des VBR (Verein Bonner Rockmusiker) und der Auftritt von Alle im Schrank auf dessen R/h/einkultur-Festival.

Anno 2003 sind die Mitglieder von Alle im Schrank schwerpunktmäßig mit dem Aufbau der bürgerlichen Existenzen beschäftigt, deren anschließende Aufgabe gemäß musik/vertreibender/ Industriemogule zwingend für den weiteren, kometenhaften Auftstieg erforderlich sei.

Im weiteren Verlauf der Weltgeschichte erweist sich Alle im Schrank weiterhin als zuverlässiger Indikator für Pleiten aller Art: die weiteren Stationen auf dem Weg nach unten sind ein vierstündiger Auftritt auf einer fremdorgaisierten Kneipentour mit 30minütiger Spontanpeinlage B.Hausens („ihr könnt doch nicht einfach von der Bühne gehen“ – „doch können wir wohl, mach halt alleine weiter„), die Etablierung des ritualhaften Wiederholens exakt derselben Weihnachtsstücke in unterschiedlicher Reihenfolge an unterschiedlichen Orten über Jahre sowie die Komposition eines neuen zweiminütigen Werks („Mearmaid“) durch P.Glow, das jedoch anfänglich durch Mehrheitsentscheid als schlecht abgelehnt wird. Auch tsunamigeschädigten Südostasiaten erweisen Alle im Schrank gerne die Ehre ihrer partiellen Aufmerksamkeit, benutzen das dabei gedrehte Video dann aber in allerkühlster geschäftsmännischer Manier zum bisher abgefeimtesten Coup: Die Ausdehnun des Wirkungskreises auf das gesamte Bundesgebiet und Neudefinition der Zielgruppe in „mittelalte GlöckchenträgerInnen“.

So erschleichen sich Alle im Schrank in den Jahren 2006 und 2007 aus Aussenstehenden vollkommen unerfindlichen Gründen deutschlandweite Tourneen mit dem „Schandmaul“-Sideprojekt „Weto“ sowie ALS Schandmaul-Sideprojekt selbiges mit „Schäl mich“, die für alle Beteiligten ausser Alle im Schrank unweigerlich zu jämmerlichen Ergebnissen führen. Jämmerlich kommt auch die aktuelle Veröffentlichung „Scheitern auf niedrigem Niveau“ daher, die schnell noch vor der Tour 2007 zusammengeleimt wird und in Ermangelung neuen Materials nun endlich auch den Schuppenschwanz-Song enthält.

Die lächerlichen Einnahmen aus dieser Aktivität kommen wie immer dem gemeinnützigen Projekt Alle im Schrank zugute und wenn ich jetzt nicht aufhöre, komm ich zu spät zum Auftritt. Wo mögen wohl die Plüschhandschellen sein…

Nunmehr erbieten sich “Alle im Schrank”, auch Ihre Veranstaltung gründlich zu verderben und hoffen auf gutes Essen und ausgeschilderte Fluchtwege.

Nachdem nun 2008 fliessend ins nächste Jahr übergegangen ist, muss hier darauf hingewieselt werden, dass auch im achtzehnten Jahr des Bestehens von – na Sie wissen schon – es immer noch Ahnungslose zu geben scheint, die sich trauen, in Würde gealterte Etablissements wie den “Seehof” zu Haltern für den richtigen Ort zu haltern, um sich – na Sie wissen schon – als Hochzeitsband zu engagieren – aber was tut man nicht alles für den ebenfalls in Würde gehalterten WINNES.

Die vielen verschiedenen aktuellen Seiten von ALLE IM SCHRANk, JA! können nimmersatte einmalkluge sich übers ganze Internetz verstreut gerne selber heraussuchen, die Daten zur Herbsttournee 2009 finden sich eventuell bald auch im Rahmen dieser verwirrenden Seitenansammlung. Viel Spass beim Suchen.

Nicht unerwähnt sollte in diesem Zusamenhang die nicht nur schlecht produzierte, sondern auch vollkommen unzulänglich promotete DVD "Der Baade Meister Komplex" bleiben, die die oben genannte Gruppe ohne ersichtlichen Grund Ende 2009 der Weltöffentlichkeit aufdrängte. Enthalten ist eines der mittlerweile aufgrund sozialer Schwierigkeiten ins ebenso unwichtige wie kleine (aber mit einem durchaus ansehnlichen Namen und deshalb offensichtlich auch mit einer gewissen Anzahl Besucher ausgestattete) "Löhr's Eck" ausgelagerte Weihnachtskonzert von - na okay, jetzt reichts wirklich.


Alle im Schrank sind:

Christoph Bergerhausen als Melody K.  -  Gebrülle
Ralf Peglow als P. Glow  -  Gehacke
Thomas Schmechel als Omas Mechel  -  Gedresche
Wolfgang Schmitz als Schmolfgang Witz  -  Gewummere
Ingo Taubensee als Ritter Dando  -  Gedödel

Was getan werden muss, um sich das Grauen ins Haus zu holen? Bloß keinen Kontakt mit uns aufnehmen – wir kommen!